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Jugend ohne Gott

Ödön von Horváth (1901 – 1938)
In einer Fassung von Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer

Salzburger Festspiele, Premiere 28. Juli 2019

Koproduktion mit der Schaubühne Berlin

Alltag an einem Provinzgymnasium in totalitären Zeiten. Die rechtsextreme Partei der „reichen Plebejer“ hat die Macht übernommen und „zieht sich in den Turm der Diktatur zurück“. Die Bürger werden auf einen kommenden Krieg eingeschworen, die Medien gleichgeschaltet, die Lehrpläne nationalistisch umgeschrieben. Mit einem Mal soll der Geschichtslehrer der Schule eine chauvinistische Ideologie lehren, die er zwar ablehnt, aus Angst und Antriebslosigkeit aber nicht kritisiert. Beim Korrigieren der völkisch-dumpfen Aufsätze stellt er fest, dass er den Schülern Militarismus und Menschenverachtung gar nicht mehr eintrichtern muss. Die Indoktrinierung hat längst ohne sein Zutun durch Familien und Freunde stattgefunden. Als der Lehrer es wagt, gegenüber dem Schüler N wegen dessen hetzerisch rassistischen Aufsatzes die Bemerkung zu machen, auch Schwarze seien Menschen, fällt die Schüler- und Elternschaft über ihn her und fordert Disziplinarmaßnahmen wegen „ Humanitätsduselei“ und „Sabotage am Vaterland“.
Bei einer Klassenfahrt — einer militärischen Kampfausbildung mit bewaffneten Geländeübungen — kommt die täglich antrainierte Gewalt schließlich offen zum Ausbruch: in Form eines rätselhaften Mordes unter den Schülern. Neid, Konkurrenzkampf und eine heimliche Affäre des Schülers Z mit Eva, der Anführerin einer rebellischen Bande von Gesetzlosen, scheinen als Gründe für die Tat zusammenzuspielen. Der Gerichtsprozess, bei dem Richter wie Staatsanwaltschaft die Falschen vorverurteilen, wirft kein Licht auf den wahren Täter. Umso mehr dafür auf die Gesellschaft, die diesen hervorgebracht hat: ein Panorama aus Rücksichtslosigkeit und Kälte, deren bürgerliche Profiteure das reibungslose Funktionieren totalitärer Strukturen sichergestellt haben. Nur der Lehrer und eine kleine Gruppe unangepasster Schüler machen sich auf die Suche nach den Hintergründen des Mordes.

Fotos by Ewa Blauth